Kurze Geschichte Munichens

Über die Anfänge der Stadt kann heute nurmehr spekuliert werden.
Sicher werden durch das damals weitverzweigte Isartal zwischen den Höhen des Gasteigs und des Petersberges schon Menschen gezogen sein, auf der Suche nach Nahrung oder jagdbarem Wild. Funde, zum Beispiel aus den Ortsteilen Sendling oder Harlaching, beweisen das. Ob sie allerdings im Gebiet des heutigen Stadtgebietes bereits feste Wohnstätten bauten, ist durch die immerwährende Überbauung nicht mehr feststellbar. Adressen wie „Hofstatt“ oder „Altheimer Eck“ lassen vermuten, daß an diesen Orten schon eine gewisse Siedlungstätigkeit stattgefunden haben könnte. Auch auf dem „Petersbergl“ wäre eine kleine mönchische Lebensgemeinschaft denkbar, die ein Sprengel des Klosters Tegernsee oder auch Schäftlarn gewesen sein mochte.

Sicher überliefert ist der Name „munichen“ erst im Juni des Jahres 1158. Aus dieser Zeit stammt ein Schriftstück, daß allgemein als Gründungsurkunde anerkannt ist. Das Schriftstück selbst spricht von einer „conventio“ - einer Übereinkunft. Wie nun kam es dazu, daß es zu einer Übereinkunft kommen musste?

 

 

Über die Anfänge der Stadt kann heute nurmehr spekuliert werden. Sicher werden durch das damals weitverzweigte Isartal zwischen den Höhen des Gasteigs und des Petersberges schon Menschen gezogen sein, auf der Suche nach Nahrung oder jagdbarem Wild.  Funde, zum Beispiel aus den Ortsteilen Sendling oder Harlaching, beweisen das. Ob sie allerdings im Gebiet des heutigen Stadtge-bietes bereits feste Wohnstätten bauten, ist durch die immerwährende Überbauung nicht mehr feststellbar.

Adressen wie „Hofstatt“ oder „Altheimer Eck“ lassen vermuten, daß an diesen Orten schon eine gewisse Siedlungstätigkeit stattgefunden haben könnte. Auch auf dem „Petersbergl“ wäre eine kleine mönchische Lebensgemeinschaft denkbar, die ein Sprengel des Klosters Tegernsee oder auch Schäftlarn gewesen sein mochte.

Sicher überliefert ist der Name „munichen“ erst im Juni des Jahres 1158. Aus dieser Zeit stammt ein Schriftstück, daß allgemein als Gründungsurkunde anerkannt ist. Das Schriftstück selbst spricht von einer „conventio“ einer Übereinkunft. Wie nun kam es dazu, daß es zu einer Übereinkunft kommen musste?

Anischt Münchens vom Gasteig

 

Am 08.Sept. 1156 wurde Heinrich der Löwe in Regensburg von Kaiser Friedrich Barbarossa mit dem Herzogtum Bayern belehnt. Recht schnell mag ihm der reiche Salzhandel des Bischofs von Freising ins Auge gefallen sein, der bei Oberföhring, nördlich von München, eine Brücke, einen Zoll und eine Münze an der Isar unterhielt. Nebenbei mag ihm der Ort des heutigen München gut für sein Vorhaben gefallen haben, als er vom Gasteig-Bergerl herunter auf die Ebene des anderen Ufers blickte. So ließ er in einem wohl handstreichartigen Unternehmen den Markt zu Oberföhring niederbrennen, die Brücke über den Fluß zerstören und den Salzweg kurzerhand über seinen Grund und Boden legen. Natürlich klagte der Freisinger Bischof, damalig Otto I., ein Babenberger, vor dem Kaiser, der noch dazu sein Onkel war. Dieser kam dadurch in eine gewisse Bedrängniss, da er mütterlicherseits ebenfalls mit Heinrich verwandt war.

Zum Reichstag zu Augsburg wurde dann das oben genannte Schriftstück gefertigt. Demnach sollte der Markt, die Münze und der Zoll fortan im neu gegründeten Ort „apud munichen“- bei den Mönchen - stattfinden. Der Bischof von Freising erhält aus den Einnahmen des Zolls ein Drittel. Dies hatte Gültigkeit bis zum Jahre 1852, als die Stadt sich mit einer letzen Zahlung von  982 Gulden von dieser Verpflichtung befreite. Jeder durfte nach eigenem Gutdünken einen eigenen Zöllner stellen und eine eigene Münze errichten. Zeugen dieses Vorgangs waren unter anderem die Erzbischöfe Arnold von Mainz und Friedrich von Köln, die Bischöfe von Verden, Augsburg, Würzburg und Bamberg, der Herzog Friedrich von Schwaben und Markgraf Hermann von Verona.

Wohl durch den reichen Salzhandel wuchs die Stadt verhältnismäßig schnell. Bereits im Jahre 1173 wird in einer Urkunde des Klosters Schäftlarn ein "Ortolf qui preest muro" (Ortolf, der Mauervorsteher) genannt. Demnach müsste der damalige Siedlungsbereich bereits mit einer Mauer umgeben gewesen sein, zumindest aber doch mit einer festen Umwehrung. Der Verlauf dieser Befestigungslinie ist im Altstadtbereich immer noch durch gebogene Straßenzüge zu erkennen. Burgstraße, Rosental, Färbergraben und Augustinerstraße markieren die erste Grundstruktur der Stadt. Heinrich der Löwe wird sich wohl irgendwo in der Nähe einen befestigten Platz errichtet haben lassen, obwohl davon nichts bekannt ist. Einzig von einem starken Turm auf dem Gelände der heutigen Residenz ist einmal die Rede, dieser ist aber weiter nicht belegt und wird im 15. Jh.bereits als „Burgstall“ bezeichnet.

Recht unbekannt dürfte eine zeitgenössische Quelle aus dem Jahre 1180sein, in der zu lesen ist: „munichen destruitur, feringen reedificatur“ -München soll zerstört, Föhring wieder aufgebaut werden. Aber wer kämeauf den Gedanken, eine aufstrebende und schon dreißig Jahre nach ihrer Gründung recht reiche Siedlung aufzugeben? Eventuell hat dies mit der Absetzung Heinrich des Löwen im selben Jahr zu tun, der bei Kaiser Friedrich I. in Ungnade gefallen war.

Zu sagen bleibt auf alle Fälle, daß München mit dem Handel mit Salz sehr schnell eine führende Rolle im Süden Bayerns spielte. 1195 berichtet erstmals eine Quelle von Münchner Kaufleuten, darunter Namen wie Sendtlinger oder Putrich, zwei der bekanntesten Geschlechter der Stadt, die bis ins 15. Jh. Bestand hatten.

1225 wird die Kirche St. Peter erstmals urkundlich genannt.

Alter Peter

 

Aufgang zum Petersturm

 

1239 tritt neben dem Richter, der dem Herzog unterstand, eine eigene Bürgerschaft auf, die eine Urkunde siegelt und dem Kloster Rott Zollfreiheit in der Stadt gewährt. Dies ist auch das erste bekannte Stadtsiegel. Es zeigt den Mönchskopf mit Kapuze in einem Tor, das von einem Adler bekrönt wird. Ebenfalls wird in diesem Jahr erstmals eine Schule und ein Stadttor genannt, wobei es sich wahr-scheinlich um den Kauferinger-Turm handeln dürfte, der beim heutigen Kaufhaus Hirmer stand.

1255, im Jahre der ersten bayrischen Teilung, wurde München erstmals Sitz eines Herzogs, der sich zu diesem Zweck eine feste Burg bauen ließ, die heute noch in veränderter Form zu sehen ist. Dabei handelt es sich um den „Alten Hof“, der sich in die süd-östliche Ecke der damaligen Stadbefestigung einfügt.



 Deutlich sieht man das Viereck der Gebäude der ehem. ersten Burg zu München

 

Der sog. „Burgstock“ mit Torturm und

Affentürmchen

 

Noch vor diesem Jahr dürfte München über eine große Kirche verfügt haben, die neben St. Peter bestand. Ausgrabungen in der Frauenkirche oder in der Kirche zu unserer lieben Frau, wie sie eigentlich heißt – zeigen eine dreischiffige Basilika, die nach Westen hin zwei Türme aufwies. 1271 wurde nun diese Kirche zur Pfarrkirche erhoben, die München in zwei Pfarreien teilte. Einmal südlich der Achse Neuhauser-Kaufringer Str. in die Peterspfarre, nördlich davon in die Marienpfarre.

Frauenkirche


 

 

Die Gedenktafel zum Bau der Frauenkirche von Herzog Sigmund

 

1286 werden erstmals die „consules civitatis Monacensis“ genannt. Dabei dürfte es sich um den ersten Münchner Stadtrat handeln. Im Jahre 1294 bekam die Stadt dann ein eigenes Grundgesetz von Herzog Rudolf, das sogenannte „Rudolfinum“. Dies bestätigte alle Rechte und Freiheiten, die München bis dahin von seinen Herzögen erhalten hatte.

So richtig in die Geschichte trat München mit der Wahl von Herzog Ludwig IV 1314 zum deutschen König, 1328 zum Kaiser. Vom damaligen Papst Johannes XXII bekam er den abfälligen Beinamen „der Bayer“, der ihm bis heute geblieben ist. Ludwigs Leben sollten ständige Querelen mit dem kirchlichen Oberhaupt begleiten. Das Papsttum beanspruchte selbst die Thronfolge des Deutschen Reiches. 1324 exkommunizierte der Papst Ludwig IV, doch dieser war gerade in München und den anderen Städten
dermaßen beliebt, daß sich so richtig niemand darum scherte. Ludwig zog nach Rom und ließ sich von zwei Bischöfen salben, die Krone wurde ihm von Sciarra Colonna aufs Haupt gesetzt. Er holte die Minoriten nach München, unter ihnen berühmte Leute wie  Wilhelm Occam, die ihm auch bei seinem
Kampf mit dem Papst unterstützten. Ludwig der Bayer starb am 11.10.1347 unweit von Fürstenfeldbruck, immer noch exkommuniziert! Trotzdem wurde er letztendlich in der Frauenkirche bestattet. Von ihm hat München die noch heute gültigen Farben goldschwarz bekommen.

Richtig turbulent ging es dann ab 1398 zu. Zum Einen verlangten die Handwerker Mitspracherecht im Rat, was dieser anfangs strikt ablehnte. Es kam zu Ausschreitungen, woraufhin einige Patrizier die Stadt verlassen mussten. Letztendlich aber kam es zu einer Einigung zwischen Patriziern und Handwerkern, die nun den Rat der 300 bildeten. Der neue Rat der Stadt aber verweigerte die Huldigung an die Münchner Herzöge Ernst und Wilhelm und stellten sich auf die Seite der Ingolstädter. Zum Anderen befehdeten sich die herzoglichen Brüder Ernst und sein Bruder Wilhelm auf der einen Seite, auf der Anderen deren Vettern aus Ingolstadt, Stephan III "der Kneissl", was soviel wie "der Prächtige" bedeutet und dessen Sohn Ludwig, nachmalig „der Bärtige“ genannt. Es ging um Herrschaftsansprüche, in deren Verlauf die Münchner Herzöge Aichach und Wasserburg belagerten. Sie zogen sogar, unterstützt von Herzog Heinrich von Niederbayern-Landshut, vor die Mauern ihrer eigenen Stadt München, konnten aber keinen Fuß in die Stadt bringen. Zu einer Einigung kam es dann durch den Schiedsspruch des Burggrafen Friedrich von Nürnberg am 31. Mai 1403. Die Ländereien wurden belassen, wie zu Anfang des Zwistes und der Rat huldigte den Herzögen. Die Handwerker hatten ein Wörtchen mitzureden und die geflohenen Patrizier konnten wieder in die Stadt.

Der Ärger mit den Ingolstädter Vettern aber war noch lange nicht ausgestanden. Hezog Ludwig im Bart klagte allenthalben vor dem Kaiser, daß er nach der bayerischen Landesteilung benachteiligt wurde. Er forderte Gebiete seines Vetters Heinrich von Bayern-Landshut. Immer wieder kam es zu Briefwechseln mit deftigem Inhalt. Auf einem einberufenen Reichstag zu Konstanz gipfelte der Streit mit einer Beleidigung seitens Ludwigs gegen Heinrich, der daraufhin Ludwig überfiel und schwer verletzte, daß dieser drei Wochen das Lager zu hüten hatte. 1422 dann kam es endgültig zum Kampf. Am 19. September dieses Jahres zog Ludwig von Ingolstadt, gestützt auf ein starkes Ritterkontingent, von Fürstenfeldbruck aus gegen München, dessen Herzöge und Bürgerschaft sich auf die Seite von Landshut
stellte. Wie mag dieser Kampf wohl ausgegangen sein, wenn nicht Ludwigs Hauptmann Westenrieder die Vororte Germering, Aubing und Pasing gebranntschatzt hätte, dessen Rauchsäulen die Stadt gewarnt hat? So aber hatten Herzog Ernst und die Bürgerschaft genügend Zeit, sich auf den Kampf vorzubereiten. Berichten zufolge hat das erste Treffen unweit Obermenzing stattgefunden und zog sich dann zwei Tage lang bis nach Alling hindurch. Dort kam es zu einer vernichtenden Niederlage von Ludwig dem Bärtigen, zahlreiche Gefangene Ritter und Adelige wurden im Triumphzug nach München gebracht. Ludwig sollte immer wieder in Händel geraten, bis ihn sein eigener Sohn, Ludwig der Höckerige, gefangen setzte und an Heinrich von Landshut verkaufte, der ihn auf Burghausen einsperrte, wo er starb.

Diese inneren Fehden der wittelsbacher Herzöge verhinderten mitunter auch, eine schlagkräftige Armee gegen die Hussiten aufzustellen. Die Stadt befestigte sich „der Hussen wegen“ mit einer kräftigen Mauer und Zwinger mit „unzahlig Thürn“. Von dieser Mauer sind noch Fragmente um das Isartor und in der Jungfernturmstraße erhalten.

 

.Isartor




 

 

Grundriss des ehem. Turmes „Lueg ins Land“

 

Schiessscharte des Lueg ins Land

 

 

vorgelagerter Scheibling

 

Sendlinger Tor

 

 

Reste des Jungfernturmes

 

 

Freilich entsandte die Stadt ein Aufgebot, unter anderem am 17. Juli 1427, unter der Führerschaft Heinrichs des Reichen. Von Regensburg aus zog man gegen die Hussen und holte sich eine kräftige Niederlage. Mehrmals in den nächsten Jahren sollten die Münchner Streitkräfte an den „rais gen Hussen“ beteiligt sein.

Ebenfalls turbulente Zeiten sollten am Ende des 15. Jh. stehen. Die Reichsstadt Regensburg trat aus der Reichsunmittelbarkeit aus und trug sich Herzog Albrecht IV., genannt der Weise,an. Dieser verleibte die Stadt seinem Reich ein, was natürlich Kaiser Friedrich III. maßlos ärgerte. Noch dazu hatte zuvor Albrecht dessen Tochter geheiratet, ohne die Einverständiserklärung des Kaisers abzuwarten. Mit dem übertritt Regensburgs ins bayerische hatte Friedrich eine Handhabe gegen Albrecht. Der Kaiser berief Albrechts Brüder Christoph und Wolfgang und den gegen Albrecht gegründeten Löwenbund, ein Zusammenschluß niederbayerischer Ritter, die Acht zu vollziehen. Doch das Kriegsglück blieb bei Albrecht.

Am 13. Dezember 1491 überfiel der Löwlerführer, Hieronimus von Stauf von Köfering aus das Dorf Pfatter, das Albrecht gehörte. Von der Burg Ehrenfels aus unternahm Hieronimus Bruder Bernhardin einen Kriegslauf gegen die Umgebung von Hemau und plünderte und brand-schatzte. Von Parsberg überfiel Hans von Parsberg Dörfer und Siedlungen in Albrechts Ge-biet. Dieser zog von München aus mit 1237 Mann und vier Geschützen vor Köfering und nahm es am 26. Dezember ein. Am 5. Januar fiel Flügelsberg im Altmühltal, am 15. Januar brach er die Festung Ehrenfels und sandte die Löwlerhauptleute als Gefangene nach München.
Auch Albrechts Brüder Wolfgang und Christoph kamen mit einem Heer, unterstützt durch den schwäbischen Bund vom Lech her und plünderten die Gegend nördlich von Landsberg. Selbst  München war nun bedroht und befestigte die Frauenkirche mit Unterbauten für Feldschlange und Katapult! Die Dächer, wie wir sie heute noch kennen, stammen erst aus dem Jahre 1525.
Albrecht reagierte schnell und zog dem Heer der Brüder und dem des Kaisers entgegen. Doch König Maximilian, Friedrichs Sohn, erreichte einen Friedensschluß, die Acht wurde aufgehoben und Regensburg kam wieder zum Kaiser. 1492 trat Herzog Albrecht dem schwäbischen Bund bei. (Zur Geschichte des Löwlerkrieges möchte ich in nächster Zeit ein eigenes Kapitel schreiben).
Herzog Albrecht dem Weisen ist es zu verdanken, daß es mit den dauernden Teilungen des bayerischen Gebietes ein Ende hatte. Er erreichte das Primogeniturgesetz, das besagt, daß der Erstgeborene die Herrschaft ausüben sollte.

Zwischen 1568 und 1571 legte Herzog Albrecht V. mit dem Antiquarium, heute ein Bauteil der Residenz, den Grundstein für das erste Museum nördlich der Alpen. Er war ein begeisterter Kunstkenner und sammelte Münzen und Gemälde aus der damaligen bekannten Welt und machte sie auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich.
 

 

Das Antiquarium-das erste Museum nördlich der Alpen inder heutigen Residenz

 

Zu einem rauschenden Fest lud Herzog Wilhelm V, genannt der Fromme, im Jahre 1568. Er heiratete Renata von Lothringen und beging ein drei Wochen dauerndes Fest, bei dem auch die Bürgerschaft beteiligt war. 190 000 Gulden verschlang die Veranstaltung. Über 6000 vornehme Gäste waren in Münchens Häusern untergebracht. Turniere wurden allenthalben auf dem Marienplatz veranstaltet, Schauessen und Tanz waren an der Tagesordnung. Auf dem neuen Rathausturm erinnert das Glockenspiel an dieses denkwürdige Ereignis.

 

Das Glockenspiel am Rathausturm. Oben erkennt man das Brautpaar, zu deren Füßen das Volk feiert. Ganz unten der Schäffler-Tanz

 

 

Die Zeit der Reformation ging auch an München nicht spurlos vorrüber. Dennoch mag es verwundern, daß im katholischen Bayern die neue Lehre geduldet wurde. Die Herzöge zu dieser Zeit waren selbst immer Katholiken, dennoch verwehrten sie sich nicht dem neuen Glauben. Freilich kam es zu Hinrichtungen, diese waren aber weitaus geringer, als in anderen Städten, dort die Feuer niemals ausgingen. Es wird sich wohl eher um die Furcht vor politischen Unruhen gehandelt haben. Trotzdem wurden die Lutheraner weniger verfolgt als anderswo.

1632, als das Heer Gustav Adolfs vor München stand, forderte der 300 000 Reichstaler Brandschatzung. Da diese Summe niemals aufgebracht werden konnte, stellte die Stadt Geiseln, die erst ein Jahr später wieder zurückkehren konnten. 1634 kam der Krieg erneut nach München und brachte die Pest mit. Über ein viertel der damaligen Bewohner raffte die Krankheit dahin. Als die Besatzung weiterzog und die Stadt noch stand, stiftete sie die Mariensäule als Dank an dem Platz, an dem sie heute noch steht. In dieser Zeit wurde auch die Befestigung weiter ausgebaut und galt bis hinein ins 18. Jh. als genügend für die Bevölkerung. Erst als München über diese Grenze hinaus wuchs, wurden die Mauern und Türme geschleift und die Stadt breitete sich in der kommenden Zeit bis zu ihrer heutigen Ausdehnung bis weit über die damaligen Grenzen hin aus.
Daher mag wohl die Doppelbezeichnung des Karlsplatzes/Stachus stammen. Der Münchner an sich wollte die Stadtbefestigung nicht schleifen, denn was des Münchners ist, ist des Münchners. Damals befand sich in der Nähe des heutigen Stachus eine Gastwirtschaft, dessen Inhaber Eustachius Möderl gerufen wurde. Und da man dem damaligen Herzog Karl, der die Niederlegung der Mauern befohlen hatte, deswegen gram war, spricht heute ein echter Münchner nicht vom Karlsplatz, sondern vom Stachus! :-)
 

 

Neuhauser Tor am Stachus

 

Copyright liegt beim Verfasser Rüdiger Landskron


Literaturverzeichnis und Quellenverzeichnis:



Helmuth Stahleder: Chronik der Stadt München, Herzogs- und Bürgerstadt,  Die Jahre

1157-1500, Hugendubel Verlag,1995

Hans F. Nöhbauer: München - eine Geschichte der Stadt und ihrer Bürger von 1158 bis 1854, Süddeutscher Verlag, 1989

Andreas Zeitler: Zwischen Fürstenmacht und Ritterfreiheit, 1989

Roswitha von Bary: Herzogsdienst und Bürgerfreiheit – Verfassung und Verwaltung der Stadt München, Hugendubel Verlag

Ferdinand Kronegg: Illustrierte Geschichte der Stadt München, 1903

Josef Würdinger: Kriegsgeschichte von Bayern, Franken, Pfalz und Schwaben, ...München, 1868

Michael Schattenhofer: Die Wittelsbacher als Stadtherren von München, S. 39-52, 1984

Fridolin Solleder: München im Mittelalter, München und Berlin 1938

Kurt Reindel: Bayern im Mittelalter, Verlag C. H. Beck, 1970

Reinhard Bauer und Ernst Piper: München-Geschichte einer Stadt, dtv, 1993

Karl Bosl: Bayerische Geschichte, List Verlag, 1971

Kurt Schöning: Kleine Bayerische Geschichte, Morsak Verlag, 2. Auflage 1990